Das HILFE-Konzept Handlungsempfehlungen für Führungskräfte

Besteht der Verdacht, dass eine Kollegin oder ein Kollege psychisch instabil ist, sollten Sie entsprechende Handlungsschritte einleiten.

Eine gute Orientierung bietet das H-I-L-F-E-Konzept. Es wurde gemeinsam vom BKK Dachverband und der Familien-Selbsthilfe Psychiatrie entwickelt und versteht sich als Leitfaden zum Umgang mit psychisch stark belasteten und möglicherweise von einer psychischen Störung betroffenen Beschäftigten. • Hinsehen

  • Initiative ergreifen
  • Leitungsfunktion wahrnehmen
  • Führungsverantwortung: Fördern und Fordern
  • Expertinnen bzw. Experten hinzuziehen

Die Schritte im Einzelnen:

  1. Hinsehen

Hinzusehen und die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass die Verhaltensänderungen eine psychische Ursache haben könnten, ist der erste wichtige Schritt. Das gelingt am besten in einer Unternehmenskultur, in der Mitarbeitende gegenseitig auf sich achten und sensibel für psychische Belastungen sind. Oft werden eindeutige Verhaltens-weisen von Vorgesetzten und Beschäftigten jedoch „übersehen“ und nicht angesprochen – meist aus Unbehagen oder Unsicherheit. Doch schwierige Situationen dieser Art können auf Dauer nicht ausgesessen werden. Bei 20 Mitarbeitenden ist es nicht unwahrscheinlich, dass zwei bis drei an einer psychischen Störung leiden.

  1. Initiative ergreifen

Um Betroffenen möglichst früh die nötige Unterstützung geben zu können, sollte das beobachtete Verhalten von Ihnen als Führungskraft offen thematisiert werden. Wichtig ist, dass Sie die Initiative für ein Gespräch ergreifen. Die ‚Dos and Don’ts‘, was Sie für ein erfolgreiches Gespräch beachten sollten, können Sie einem der nächsten Artikel entnehmen.

  1. Leitungsfunktion wahrnehmen

Als Führungskraft sollten Sie, wenn die Krise andauert und sich keine Veränderung abzeichnet, Ihre Leitungsfunktion wahrnehmen. Dazu sollten Sie konkrete Arbeitsziele mit der betroffenen Mitarbeiterin bzw. dem betroffenen Mitarbeiter vereinbaren. Zudem sollten Sie klar Ihre Erwartung formulieren, so dass sich die oder der Beschäftigte in eine stützende Maßnahme oder Behandlung begeben kann. Die Selbstverantwortung für die Erhaltung der eigenen Gesundheit und Arbeitskraft sollte dabei genauso deutlich thematisiert werden, wie ein erneutes Hilfsangebot seitens des Betriebes.

  1. Führungsverantwortung: Fördern und Fordern

Führungsverantwortung wahrzunehmen heißt, ein angemessenes Verhalten im Umgang mit Betroffenen zu finden und die Balance zwischen Über- und Unterforderung bei Beschäftigten im Blick zu halten. Beschäftigte mit einer psychischen Erkrankung zu fördern bedeutet, Geduld, Verständnis, Fürsorge und Flexibilität für die individuelle Situation aufzubringen. Mitarbeitende fordern heißt, die Erwartung der Arbeitsleistung nach Möglichkeit an die momentane Leistungsfähigkeit anzupassen. Dennoch sollten Sie als Führungskraft an den Anforderungen festhalten und die Person damit weiterhin ernst nehmen.

  1. Expertinnen bzw. Experten hinzuziehen

Wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie dem Umgang mit psychisch belasteten Beschäftigten gewachsen sind, können Sie sich Unterstützung holen. Mit psychischen Erkrankungen vertraute Expertinnen und Experten können Betroffene unterstützen und Arbeitgebern sowie Personalverantwortlichen beratend zur Seite stehen. Das frühe Hinzuziehen von Know-how kann darüber hinaus deeskalierend wirken und nutzt Betroffenen wie Unternehmen gleichermaßen. Quelle: Praxishilfe „Psychisch krank im Job“ – BKK Dachverband

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