Storytelling in Mediation und Beratung

Mediatoren greifen mitunter zu Geschichten, um einen Mediationsprozess weiter zu bringen. Eine geeignete Geschichte im richtigen Moment erzählt, kann ganz Erstaunliches bewirken.

Haben wir z.B. zwei Konfliktpartner, die jeder für sich davon überzeugt sind alles gegeben zu haben, aber keine Anerkennung des Anderen finden, kann die folgende Geschichte erhellend wirken:

»Ein Hund und eine Eselin verlieben sich unsterblich ineinander und feiern schließlich im Kreise ihrer Freunde ihre Hochzeit. Alle geladenen Tiere freuen sich über das berauschende Fest und sind überzeugt, kaum je ein schöneres, glücklicheres Brautpaar erlebt zu haben.
Das Fest ist vorüber und das strahlende Paar bezieht frohen Mutes seine Hütte, um fortan zusammen zu leben.
Nach einem Jahr kommt der Dachs – ehemals Hochzeitsgast – in die Gegend der beiden. Er erinnert sich an die glückliche Hochzeit und beschließt, Hund und Eselin einen Besuch abzustatten.
Er findet ihre Hütte, tritt ein und ist tief erschrocken: Hund und Eselin sind ein Bild des Jammers. Sie kauern total geschwächt und bis auf die Knochen abgemagert auf dem Boden und ringen um Atem. Der Dachs wendet sich zutiefst besorgt an den Hund und flüstert ihm ins Ohr: »Lieber Hund, was ist denn nur deiner so blühenden Braut widerfahren, dass ich sie heute in diesem Zustand sehen muss?« – »Ich habe keine Ahnung.« antwortet leise der Hund. »Ich bin völlig verzweifelt. Sie wird dünner und dünner, obwohl ich ihr immer die besten Knochen und das beste Fleisch überlasse.«
Der Dachs stellt daraufhin der Eselin die Frage, was denn mit dem Hund geschehen sei. Darauf die Eselin: »Es ist ganz schrecklich. Mein Gemahl wird immer schwächer und kränker, obwohl ich ihm immer das duftigste Heu und die feinsten Disteln überlasse«.

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